Downburst in Vienna

Wie schon vor wenigen Tagen berichtet, gab es Ende Juni/Anfang Juli eine massive Hitzewelle über Österreich, die vor allem im Osten des Landes, mit bis zu 38°C und Taupunkten deutlich über 20°C, die Leute zum Schwitzen brachte. Diese wurde am 8. Juli 2012 von einer schwachen Kaltfront auch im Osten Österreichs beendet.

Bericht:

Am Nachmittag des 8. Juli war es im Osten Österreichs mit über 30°C und extremer Schwüle einmal mehr unerträglich heiß. Bald jedoch entwickelte sich vor der Kaltfront dieses Tages über dem Wienerwald, gegen 15 Uhr, eine kleine aber heftige Gewitterzelle mit eingelagerter Mesozyklone.

Unter laufender Verstärkung begann sich gegen 15h30 eine Wallcloud auszubilden und tiefhängende Fracten wurden sehr schnell in das dunkle Aufwindfeld hineingesogen.

Noch vor 16Uhr prägte sich die Wallcloud immer schöner aus und die turbolente Böenfront der Zelle wurde auch immer deutlicher sichtbar.

Ein dichter Niederschlagskern zog über die Stadt und  erreichte mit gemessenen Windspitzen über 90km/h die Stärke F0/T1, was zwar als schwach zu bezeichnen ist, aber durchaus schon erste Schäden an Gebäuden und Bäumen hervorrufen kann. Niederschlagsraten von über 132mm/h wurden im 10 Minuten Intervall von der Wetterstation der Boku Wien mit 22mm in 10 Minuten gemessen.

So schnell und heftig dieser Downburst kam, war er auch wieder vorbei und wenige Minuten später schien die Sonne auf die Rückseite des Unwetters in den Niederschlagskern. Man erkennt deutlich den Niederschlag, der von den ausfallenden Winden verweht wird.

Eine Stunde nach diesem Downburst zog die Kaltfront mit etwas Wind und einem Regenschauer durch, der einen wunderschönen Regenbogen über die Stadt zauberte.

Natürlich gibt es auch wieder eine imposante Zeitrafferaufnahme, die die Dynamik dieser Mesozyklone zeigt und die Heftigkeit des Downbursts veranschaulicht.

Anlyse:

Am Blitzloop des 8. Juli erkennt man sehr schön, wie es zu Gewittertätigkeiten vor der Kaltfront kommt und am Nachmittag weit vorderseitige das kurze, aber heftige Gewitter im Raum Wien aufflammt.

Analog dazu erkennt man auch am Niederschagsradar den Durchzug der Gewitterzellen dieses Tages. Jedoch verbrauchte am Nachmittag kaltfrontvorderseitig das kurze Gewitter die meiste Energie und somit ging auch den nachfolgenden Gewitterzellen an der Kaltfront bald der Treibstoff aus, wie man auch am Niederschlagsradar schön erkennen kann.

Natürlich wurde das Unwetter auch von den Wetterstationen Wiens registriert und hier habe ich die Daten der Wetterstation meiner Uni als Beispiel verwendet. Beachtlich ist vor allem der registrierte Temperaturabfall von über 10°C binnen weniger Minuten,

BOKU-Met

Windspitzen bis über 90km/h

BOKU-Met

und ein drastischer Abfall der Globalstrahlung auf unter 20W/m². Die Globalstrahlung ist der Messwert der Sonnenenergie, die auf den Erdboden kommt und selbst an trüb-nebeligen Novembertagen liegt diese bei 50 bis 100W/m². Somit kann man auch wissenschaftlich belegen, dass der Tag zur Nacht wurde!

BOKU-Met

Hier das Niederschlagsradar gezoomt, was den Durchzug der Gewitterzelle über Wien zeigt und die höchste Intensität, kurz vor ihrem Tod, nordöstlich von Wien, bei Deutsch-Wagram zeigt.

Wie kann man schon am Niederschlagsradar erkennen, welche Eigenschaften das Gewitter hat?

Normalerweise erkennt man diese an bestimmten Strukturen und Formen, die von besonders stark ausgeprägten Gewittertypen erzeugt werden. Jedoch in diesem Fall steht auch ein Querschnitt zur Verfügung, der die Analyse sehr erleichtert und etwas mehr zeigt.
Im Querschnitt sind zwei markante Sachen zu erkennen:

1) Der Aufwindturm der Gewitterzelle ist leicht geneigt, was nur bei Gewittern mit eingelagerter Mesozyklone der Fall ist.

2) Es ist die höchste Reflektivität, oder besser gesagt der größte Wassergehalt der Zelle, über dem Boden in größeren Höhen, was meist auf Hagelgefahr oder bevorstehende Downbursts mit extrem hohen Niederschlagsraten schließen lässt. In unserem Fall hier war es ein Downburst und zum Glück kein schwerer Hagelschlag.

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