Hochwasserkatastrophe vom 24. bis 29. Juni 2009

Aufgrund einer Okklusion, zweier Tiefs, eins über der Adria, welches feucht warme Luft brachte und eines im Norden, welches kühle Luft brachte, kam es von Montag dem 22.Juni 2009 bis zum Mittwoch dem 24.Juni 2009 zu überdurchschnittlich intensiven Niederschlägen an der Alpennordseite, nachdem es die vorhergehenden Monate schon überdurchschnittlich feuchtes Wetter gab. Besonders betroffen war das Mostviertel in Niederösterreich.
Während es am Montag und Dienstag noch moderate Starkniederschläge gab und diese ein
1 bis 5 Jährliches Hochwasser an der kleinen und großen Erlauf auslösten, brachten besonders Starke Gewitterregenähnliche Niederschläge, hervorgerufen durch den Winddrehungsbedingten einsetzenden Staueffekt an den Voralpen, in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (23. – 24.) ein katastrophales Hochwasser besonders an der Kleinen Erlauf.

In Wieselburg regnete es 143,9l/m² davon fielen vom 23. um 20:00 am Abend
bis am Morgen des 24. um 08:00 41l/m²

Im Einzugsgebiet der großen Erlauf regnete es insgesamt bis zu 180l/m², wobei ebenfalls in der Nacht
auf den 24. die Intensivsten Niederschläge von bis zu 80l/m² gefallen sind.
Das hatte ca ein HQ20 zur Folge mit 278m³/s Durchfluss und einen Pegel von 4m67 in Scheibbs.

 

Quelle: noe.gv.at

Im Einzugsgebiet der kleinen Erlauf regnete es ca bis zu 170l/m², wobei hier in der Nacht
auf den 24. die Niederschläge weitaus konzentrierter auf einen kurzen Zeitraum ausfielen.
Hier regnete es knapp über 80l/m² in der Nacht, jedoch brachte ein Starker Regenschauer
in der zweiten Nachthälfte binnen 3 Stunden 35l/m² wobei es teilweise mit Regenraten von
bis zu 16,5mm/h regnete. Stellenweise wurden im Einzugsgebiet neue Rekordwerte der Niederschlagstagesmaxima aufgestellt, obwohl einige Messungen schon mehrer Jahrzehnte zurück gehen. Die folge war in Wang ein Pegelstand von bis zu 5m88 und ein Durchfluss
von bis zu 175m³/s, was in etwa einem HQ100 entspricht, was bedeutet, dass im Durchschnitt nur alle 100 Jahre ein solches Hochwasser zu erwarten ist.

 

Quelle: noe.gv.at

Dieser Echtzeitgraph zeigte damals jedoch eine falsche Durchflussmenge an. Da es extreme Hochwässer sehr selten gibt, ist es sehr schwer Messungen zu Verifizieren und einen exakten Pegelschlüssel zu erstellen. Hochwässer ändern das Profil des Flussbettes und durch den hohen Pegelstand werden verschiedenste Hindernisse wie Vegetation und Verbauung am Flussufer wirksam, was die Ermittlung genauer Messwerte erheblich erschwert.

Nach dem Zusammenluss beider Flüsse wurde ebenfalls ein neuer Rekordpegel der Erlauf von 5m05, an der Messstelle in Niederndorf, bei einem Durchfluss von ca 440m³/s, erreicht, was einem HQ 22 entspricht, was bedeutet, das aufgrund statistischer Berechnungen anhand einer langjährigen Messreihe im Durschnitt alle 22 Jahre ein solcher Pegelstand zu erwarten ist. Das heißt logischerweise auch, dass es 2 mal binnen 10 Jahren ein solches Hochwasser geben kann, dafür aber dann 50 Jahre lang nicht, weil es sich eben um einen Durchschnittswert handelt.

Die Aufnahmen des NS Radar zeigen das Starkregenfeld zur Zeit der stärksten Niederschläge
von der Nacht des 24. von 00:30UTC bis 03:00UTC

Für Animation bitte anklicken

Hier einige Fotos des Jahrhunderthochwassers

Überfluteter Weg neben der großen Erlauf

Ausuferung der großen Erlauf bei meinen Nachbarn

Schon vor erreichen des Scheitelpunktes war das Flussbett der großen Erlauf bis zum Rand voll

Beim erreichen des Scheitelpunktes wurde auch der Volksfestplatz, wo das Volksfest eine Woche später stattfinden sollte, überflutet. Nach diesen Bildern muss man jedoch auch erwähnen, dass es sich hier um das Bebaute natürliche Überflutungsgebiet der Erlauf handelt und solche, bzw ähnliche Bilder im Mittel alle 10 bis 20 Jahre zu erwarten sind!

Entlang der kleinen Erlauf standen manche Wege über 1,5 Meter unter Wasser

Die Pegelmessstation am Messeglände bei der kleinen Erlauf. Um 9:44 UTC wurde ein Rekorddurchfluss von 200m³/s erreicht. Dieses Foto entstand in etwa beim Scheitelpunkt (ca 10:44 MESZ) der Hochwasserwelle gegen 10:30 MESZ.Da die Messstation mit den Wassermassen sichtlich überfordert war, handelt es sich hierbei höchstwahrscheinlich um einen geschäzten Wert. (Entnommen aus dem Hydrographischen Jahrbuch 2009)

Unterführungen wurden komplett unter Wasser gesetzt

Parkplätze beim Zwiesel

Nach der Fahner-Wehr bei der Bahnhofsbrücke – 440m³ Wasser pro Sekunde Donnern durch das viel zu kleine Flussbett

So Schnell wie die Flut gekommen war, ging sie auch wieder und noch am selben Tag im Laufe des späteren Nachmittags war der Fluss wieder in sein Flussbett zurück gekehrt. Die darauf folgenden Tage, gab es weitere Regenschauer, die die Flüsse wieder schnell steigen ließen. Aber zum Glück folgten keine so verheerenden Überflutungen mehr.

Nachwort:
Leider erkennt man hier einmal mehr, dass viele Umweltkatatrophen Menschengemacht sind! Hierbei handelt es sich zwar um ein seltenes Ereigniss, aber auch 2007, 1997 (Gr. Erlauf) und vorallem auch 1975 wurden ähnliche Pegel erreicht, die zu Überflutungen führten. Meist blieben die Schäden geringer und somit wurde ein notwendiger Hochwasserschutz immer wieder aufgeschoben. Jedoch nun wurden zumindest entlang der kleinen Erlauf Maßnahmen getroffen und die nächsten Hochwässer werden zeigen, ob diese Maßnahmen ihren Zweck erfüllen werden.

Jedoch mein Apell an alle, die diesen Text lesen:
So schön es auch neben einem Fluss sein kann, so gefährlich kann es auch werden! Vorallem Überflutungsgefährdete Baugründe werden billig verkauft, aber wer solche kauft wird oft überflutete Keller und Sachschäden haben. Wer billig kauft, kauft teuer! Deswegen ersuche Ich jeden den eine dementsprechende Grundstückswahl bevorsteht, diese Wahl nochmals zu überdenken und sich dadurch vieles zu ersparen.

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