Hochwasserprognose 15. bis 18. Mai 2014

UPDATE 15.05.2014 – 18h

Der Regen hat nun begonnen und zwar weitaus stärker als in allen Modellen gezeigt! Vom Ablauf her bleibt das Ereignis zwar wie prognostiziert:
Regenbeginn am Donnerstag, drastische Intensivierung Freitag früh bis Mittag und dann noch weiterer Niederschlag bis Samstag Abend mit eventuellem zweitem Niederschlagsmaximum am Samstag morgen und abklingen im Laufe des Sonntags, hat sich derzeit nichts geändert.
Jedoch aufgrund der höheren Intensität sind mancherorts 200 bis 250l/m² oder auch mehr bis Sonntag Abend durchaus möglich! Was vorallem vom Ybbstal bis zum Wienerwald Durchflüsse von HQ10 oder mehr bedeutet!
Weitere Updates folgen!

===================================================================


Nach Monate langer Pause, viel Stress an der Uni und nur wenigen nicht besonders beeindruckenden Ereignissen in der Natur, nimmt die langweilige Periode endlich ein Ende! Der Sommer 2014 beginnt zu den Eisheiligen mit einem signifikanten Sturmtief, welches entlang der Alpennordseite für Hochwasser und in der gesamten Osthälfte Österreichs für Sturm sorgen wird!


Aber alles schön der Reihe nach, zuerst kommt der

Wind:
Mit dem heutigen Mittwoch nimmt der Wind sukzessive zu und wird spätestens am Abend Sturmstärke erreichen. Vor allem am Alpenostrand werden Böen über 100km/h erwartet, auf den Bergen wird der Wind sogar Orkanstärke mit über 130km/h erreichen, stellenweise werden bis zu 170km/h erwartet!

Da die Bäume mittlerweile voll belaubt sind wird es vermehrt zu Windbruch kommen und vorallem dort wo der Boden schon gut durchnässt ist vermehrt zu Windwurf. Aufgrund dieser Situation ist mit massiven Schäden zu rechnen.
Hier an der Windanimation kann man schön erkennen, dass der Höhepunkt des Sturmes am Donnerstag Abend erreicht wird.


1kt (Knoten) = 1,852 km/h

Im Laufe des Freitags wird der Sturm allerdings wieder rasch abflauen und in der Nacht auf Freitag der Regen massiv intensivieren, wie man hier an der Niederschlagsanimation deutlich erkennen kann.

Niederschlag – GFS & WRF:

Anhand dieser Animation erkennt man sehr schön die derzeit noch vorherrschenden konvektiven Niederschläge (Schauer) entlang der Nordalpen. Am Donnerstag Vormittag  schwenkt bereits das erste Niederschlagsfeld von Nordosten herein und verlagert sich zu den nördlichen Kalkalpen. In weiterer Folge in der Nacht zum Freitag verstärken sich die Niederschläge massiv und es ist flächendeckend mit Niederschlagsraten von deutlich über 5mm/h zu rechnen! Verstärkend kommen hier allerdings noch Staueffekte in den Bergen und konvektive Verstärkung hinzu! Erst im Laufe des Freitag Nachmittags wird der Niederschlag wieder langsam schwächer. Allerdings ist am Samstag mit weiterem Dauerregen zu rechnen, der im Waldviertel und Mühlviertel intensiv ausfallen kann, und vorallem am Sonntag verbreitet mit kräftigen Schauern, die die bis dahin entstandene Hochwassersituation kaum entschärfen werden, wenn nicht sogar punktuell noch verschlimmern können!

Interessant ist bei solchen Ereignissen allerdings auch die Niederschlagsverteilung,  hier vom amerikanischen GFS Modell die berechneten Summen bis Samstag Morgen.

Ein ähnliches Bild zeigt auch das so genannte WRF-Model des US-Militärs.

Auch wenn man weiter in die Zukunft blickt ändert sich entlang der Alpen bezüglich der Niederschlagssummen nicht besonders viel. Flächendeckend um die 100l/m² in Staulagen und durch konvektive Verstärkung stellenweise wahrscheinlich über 150l/m²!

Niederschlag ECWMF:

Etwas anders prophezeit den Ablauf des Niederschlagereignisses allerdings das englische ECMWF-Modell:

 

Hier erkennt man ebenfalls die Schauertätigkeit des Mittwochs und das Hereinschwenken des Niederschlags in der Nacht auf Freitag. Jedoch erwartet dieses Modell nach einer leichten Abschwächung am Freitag tagsüber, noch eine weitere deutliche Verstärkung des Niederschlags in der Nacht auf Samstag, was den Hochwasserscheitel in den Voralpen nicht am Freitag Nachmittag wie bei GFS, sondern erst am Samstag Vormittag  bringen würde. Ebenso ist hier deutlich stärkerer konvektiver Einfluss berechnet, weshalb manche Vorhersagen bis zu 200l/m² prognostizieren.

Schlussforlgerung Niederschlag:

Stellt man die amerikanischen Modelle und das europäische gegenüber, kommt man dennoch auf ein einheitliches Bild mit verbreitet 100 bis 150l/m². Dieser Niederschlag ist weitläufig konvektiv durchsetzt und dann kommen nochmals Staueffekte am Alpennordrand dazu, was über 50% mehr Niederschlag bringen kann!
Hauptsächlich betroffen sein wird die Region vom Salzkammergut bis zum Wienerwald, wobei wie gewohnt bei solchen Lagen Hotspots die Flüsse Enns/Steyr, Ybbs, Erlauf, Pielach, Traisen so wie die Flüsse des Wienerwaldes sein werden! Hier ist verbreitet zumindest mit einem HQ5 zu rechnen, voraussichtlich auch höher! Hochwasserrekorde sollten allerdings keine gebrochen werden.
Somit sind Überflutungen und Muren zu erwarten. Durch den vermehrten Windbruch und Windwurf durch den Sturm können die Flüsse mehr Treibholz als normal führen, wodurch Verklausungen an Brücken begünstigt werden können!

Erst zu Beginn der neuen Woche wird sich die Hochwassersituation dann wieder überall entspannen.

An der Donau, nachdem uns der Schrecken des letzten Jahres noch in den Gliedern sitzt, wird es allerdings nicht so tragisch werden, da die großen Donauzubringer im Oberlauf westlich von Linz nur teilweise die Hochwassermarke erreichen werden und in den Alpen oberhalb von 1200m Schneefall zu erwarten ist. Die Hochwassermarke wird aber an der Donau dennoch überschritten werden!
Gefährlicher könnte es allerdings an der March werden, da hier große Wassermengen aus Tschechien kommen.

WARUM???

Eine Frage, die sicher wieder viele beschäftigen wird und man kann es ganz einfach erklären. Mittlerweile ist die Strahlungsintensität der Sonne dem Sommermaximum sehr Nahe und heizt somit das Land und die Luftmassen relativ stark auf. Da das Meer länger braucht um sich zu erwärmen kommt es zu Temperaturunterschieden, die in massiven Druckunterschieden resultieren. Geraten erwärmte und noch kühle Luftmassen aneinander entsteht ein Tiefdruckgebiet, so wie hier aufgezeigt ist über dem Balkan. Die feucht milden Luftmassen vom Mittelmeer und die kühlen Luftmassen aus Norden bieten optimale Bedingungen für die Entstehung dieses Sturmtiefs und diese Unterschiede werden ausgeglichen.

Das hier ist die aktuelle Karte, derzeit sind wir heute Mittwoch noch im Einfluss der Schaueranfälligen kalten Luft, morgen wird die Warmfront dann den starken flächigen Regen bringen.

Bleibt mir zum Abschluss nur noch zu sagen, dass sich die betroffenen Gebiete gut vorbereiten sollen, den Leuten dort das Beste zu wünschen und, dass es hoffentlich nicht so schlimm wie hier prognostiziert wird!

 

Nach oben