Potentielle Hochwasserlage 13. Bis 15. Mai 2016

Nachdem es nun im heurigen Jahr schon verbreitet sehr feucht war, hat sich  mittlerweile ein sogenanntes Vb-Tief (Fünf-b) gebildet. Dieses wird in den kommenden Tagen sehr viel Regen bringen und die nachfolgende Kaltfront eines Trogs am Samstag wird das Hochwasserrisiko signifikant erhöhen!


***UPDATES AM ENDE DES TEXTES***

Zu erst möchte ich mal erklären, was so ein Vb-Tief eigentlich ist.

Vb-TIEF:

Der Name dieses Tiefdruckgebietes leitet sich nach den Webber’schen Tiefdrucktrajektoren ab.

Das typische Vb kommt von der Biskaya, zieht Richtung Norditalien, verstärkt sich über dem Mittelmeer und da es dann Richtung Nordosten abzieht und an der Westseite Nord bis Nordwestwind herrscht, stauen sich die Wolken an den Alpen und es kommt verbreitet zu starken Niederschlägen.
Eine klassische Vb-Wetterlage brachte zb das Hochwasser 2002, das verbreitet für schwere Überflutungen gesorgt hat.
Aber auch 2009 gab es eine ähnliche Zugbahn des Hochwasserbringenden Tiefdruckgebietes, allerdings handelte es sich hier eher um ein Vc Tief, da der Tiefdruckkern eher Richtung schwarzes Meer weiter gewandert ist und nicht zum Baltikum.
Eine eher an Vb erinnernde Zugbahn wird jedoch das für kommendes Wochenende wetterbestimmende Tiefdrucksystem einschlagen.
In der Animation kann man schön erkennen, wie dieses Tief von einem mächtigeren Tief über Skandinavien entlang der Vb-Bahn geführt wird und dann am Samstag an seiner Rückseite kalte Luft direkt aus dem Polarmeer zu uns bringt. Das ist dann der bevorstehende Trogvorstoß, der Schnee bis in höhere Täler bringen wird.

Allerdings stehen uns vor dem Kaltlufteinbruch noch zwei sehr regnerische Tage bevor und darauf möchte ich nun näher eingehen:

AKTUELLE ENTWICKLUNG:

In folgender Animation sieht man sehr schön, wie sich das Tiefdruckgebiet in zyklonaler Richtung (gegen den Uhrzeigersinn) Entlang des Alpenhauptkammes dreht und feuchte Luftmassen ins Land bringt.
Wie hier zu sehen, gab es in den vergangenen Stunden vor allem in Bayern entlang der Donau und in Oberösterreich/Salzburg kräftige teils konvektive Niederschläge, die schon erste Überflutungen gebracht haben.
Wie bei solchen Ereignissen üblich, breitet sich nun der kräftige Niederschlag entlang der gesamten Alpennordseite aus und wird sämtliche kleinere bis mittlere Flüsse stark anschwellen lassen.

Ebenso auch anhand der Wind Animation erkennt man sehr schön, das die derzeitige Zugrichtung der Wolken aus SSO ist und die Niederschläge sehr verbreitet zum Teil intensiv ausfallen, was für die Flüsse aus den Alpen noch keinen all zu starken Effekt haben wird. Allerdings dreht mit dem weiterziehen des Tiefs der Wind langsam auf NW und dann beginnt sich der Niederschlag im Nordstau der Alpen deutlich zu intensivieren. Das bedeutet, dass nun in den kommenden Stunden aus Südosten der Hauptniederschlag ins Land ziehen wird und dann ab Freitag Nachmittag mit drehen des Windes werden die Regenwolken zusehendes mehr in den Nordstau der Alpen geführt. Dort werden sich die Niederschläge dann drastisch intensivieren und somit sind dann dort die größten Regenmengen zu erwarten.

Ebenso erkennt man auch in der Summenkarte, dass entlang des Nordstaus der Alpen die größten Mengen zu erwarten sind.

So kann man bis Samstag Mittag verbreitet mit Niederschlagssummen von 50 bis 100mm ausgehen und vor allem im Nordstau und im Norden (Wald- und Mühlviertel) sind noch deutlich größere Mengen bis rund 150mm möglich.

Bis dahin werden dann schon einige Flüsse die Hochwassermarke erreicht und überschritten haben, großteils im Bereich bis HQ1.

Oftmals ist die Frage, ob auch die Donau Hochwasser haben wird und diesmal ist diese Frage mit einem eindeutigen Ja zu beantworten! Denn derzeit regnet es im Einzugsgebiet der bayrischen Donau sehr stark, so wie im Einzugsgebiet des Inn.
Jedoch wird es kein Rekordhochwasser wie 1991, 2002 und 2013 geben, sondern der Maximaldurchfluss sollte  im Bereich eines HQ1 liegen.

SAMSTAG NACHMITTAG:

Wie so oft der Graus eines jeden (Hobby-)Meteorologen ist die Konvektion, da man nie genau sagen kann, wo es am Meisten regnen wird und die Niederschläge sehr punktuell auftreten können. Das wird am Samstag Nachmittag bis Sonntag Vormittag passieren, da die langsam ziehende Kaltfront des Tiefdruckgebietes über Skandinavien die mild-feuchten Luftmassen, die das mittlerweile abgezogene Vb Tief hinterlassen hat, über Mitteleuropa ausräumen wird und auf den schon gesättigten Boden nochmals 20 bis 50mm Regen binnen weniger Stunden prasseln können.
An nachfolgender Grafik kann man schön die vorhandene Energie für gewittrige Schauer sehen und wie sie an der Front aufgebraucht wird.

Das wird vor allem an der Karte mit dem maximal zu erwartenden Reflektivität (Wassergehalt (Flüssig und Fest) in den Wolken) deutlich wird.


CONCLUSIO:

Leider wie so oft in der Meteorologie gibt es viele Unsicherheitsfaktoren, weswegen ich auch diesen eines anderen Wettermodells nicht vor enthalten möchte. Denn das amerikanische Wettermodell GFS sieht den Hauptniederschlag über dem Waldviertel und somit würde der Nordstau komplett ausfallen, was ergiebige Niederschläge für die Landwirtschaft bringen würde, aber fernab von jedem größeren Hochwasserrisiko.

IM LAUFE DES FREITAGS FOLGEN UPDATES!

Die Prognose wurde nach bestem Wissen und Gewissen anhand des WRF-00z Laufes vom 12.Mai 2016 erstellt, es besteht keine Gewähr für Richtigkeit der Angaben und Ablauf des Ereignisses!

UPDATE 13.MAI 2016:

Mittlerweile wird eindeutiger, was in den kommenden beiden Tagen noch passieren wird und von jeder Vorhersage ist bisschen was dabei.
In der Schweiz hats verbreitet schon 100 bis 150mm und mehr geregnet, darauf möchte ich an dieser Stelle jedoch nicht näher eingehen. Allerdings hats auch in Österreich schon viel geregnet, wie man hier schön erkennen kann, an dieser Grafik, zur Verfügung gestellt von der ZAMG.

Die derzeitigen Spitzenreiter sind das östliche Flachland und Wien mit bis zu 70mm, so wie Oberösterreich mit verbreitet 40 bis 60mm, wobei hier der Spitzenreiter Gmunden mit einer aktuellen 36h Summe (Stand 14h) mit 112mm ist!
Der Starkregen in den nördlichen Kalkalpen in Niederösterreich blieb zum Glück bis jetzt aus, so wie es gestern noch in den Modellkarten zu sehen war.

Man erkennt sehr schön, dass der Tiefdruckwirbel derzeit genau am Alpenostrand liegt und somit die Strömung aus Nordost die feuchten Luftmassen Richtung Nordalpen schaufelt wie man auch an der aktuellen Druckverteilung sehen kann.

Ebenso in der Vorhersagekarte gut erkennbar wie die Strömungen verlaufen, durch Pfeile verdeutlicht.

Das Tief mit dem Namen Yekaterina wird sich in den kommenden Stunden weiter Richtung Nordosten verlagern was weitere Niederschläge bringen wird, und der Schwerpunkt wird sich ebenso ein bisschen weiter Richtung Osten verlagern. Bis Samstag Vormittag sind so nochmals verbreitet bis 50mm in den schon betroffenen Gebieten möglich und die Flüsse werden in Folge dessen zum Teil bis zur Hochwassermarke kommen.

Vor allem die Flüsse von der Salzach bis zur Enns, so wie die Flüsse im Wald und Mühlviertel bis zum Weinviertel sind mittlerweile schon stark gestiegen und werden die kommenden Stunden noch weiter steigen.
Diese werden bis morgen zum Teil die Hochwassermarke erreichen bzw überschreiten. In weiterer Folge sind dann mit der Verlagerung des Niederschlags auch die Flüsse von der Enns bis zur Traisen zum Teil gefährdet.
Aufgrund der verbreiteten Starkniederschläge wird dann auch die Donau bis morgen deutlich steigen.

Allerdings stellt sich dann noch die Frage, was dann morgen Samstag am Nachmittag bzw Abend passieren wird, denn derzeit dürfte der Kaltfrondurchgang mit nur mäßigen Niederschlägen verbunden sein, was insgesamt keine gefährlichen Summen mehr bringen dürfte.

Somit bleibt die Prognose, dass bis morgen verbreitet manchee Flüsse von Salzburg bis Wien die Hochwassermarke mit Abzug des Vb-Tiefs erreichen bzw überschreiten werden aufrecht. Was den Ablauf des Kaltfrontdurchgangs morgen Nachmittag betrifft folgt später mit neueren Vorhersagekarten ein weiteres Update und somit dann eine Prognose ob und wo ein größereres Hochwasserereignis drohen könnte, da die Böden dann generell sehr gesättigt sind und länger andauernde starke Niederschläge verheerende Auswirkungen bezüglich Überflutungen und Muren haben können!


UPDATE 14.MAI 2016:

Wie erwartet gibt es mittlerweile schon an vielen Flüssen erhöhte Wasserstände und ebenso wurden Miederschlagssummen seit Donnerstag von verbreitet 50 bis 100mm erreicht, Spitzenreiter ist derzeit 02h00 14.5.2016) Gmunden mit 130mm in 48h.

Schön erkennt man auch an der Niederschlagsverteilung, dass vor allem im Westen des Landes, entlang der Nordalpen von Salzburg bis ins Mostviertel und im Mühl und Waldviertel, so wie im Nordburgenland die größten Niederschlagssummen gefallen sind, was sich auch im Groben mit der Vorhersage deckt.

Ebenso haben einzelne Flüsse die Hochwassermarke überschritten, in NÖ der Melkfluss und der Sierningbach.

In Oberösterreich die Krems.

Alle anderen Flüsse haben zum Glück nur erhöhte Wasserführung erreicht. Somit blieb bis jetzt zum Glück wie erwartet ein größeres Ereignis aus, allerdings folgt noch der morgige Tag und mit weiteren mäßigen Niederschlägen wird es vorerst nicht trocken werden. Nun stellt sich allerdings die Frage, was passiert weiterhin, denn was am Samstag und Sonntag passieren wird blieb vorerst offen.

Zur Erleichterung aller kann man mit relativ großer Wahrscheinlichkeit sagen, dass nicht mehr viel passieren wird, da die befürchteten über mehrere Stunden anhaltenden Starkniederschläge mit der Front ausbleiben werden!

In der Niederschlagsvorhersage erkennt man schön die Drehung des Kaltluft bringenden Tiefs über der Ostsee/Südskandinavien und die noch bevorstehenden mäßigen weiterhin konvektiv auftretenden Stauniederschläge an den Nordalpen, die zum Teil mit Durchzug der Kaltfront dann schon als Schnee fallen bis in höhere Täler fallen werden.
Da die kommenden Tag keine weiteren starken Dauerniederschläge mehr folgen werden, wie anfangs noch befürchtet, wird auch das Donauhochwasser ausbleiben und trotz der erhöhten Wasserführung der Flüsse wird es im Allgemeinen kein größeres Hochwasser mehr geben und bei erhöhten Pegeln bis HQ1 bleiben.
Zum Glück!
Denn bei diesem Setup hätte es auch schlechter enden können, wie die Vergangenheit schon oft gezeigt hat.

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