Squalllinechasing 29-07-2013

Am 29. Juni war es wiedermal so weit und nach einer lang andauernden Schönwetterphase, vielen heißen Tagen und sehr viel Sonnenschein gab es schwere Unwetter. Schon die Tage zuvor wurde West und Nordwesteuropa von schweren Unwettern heimgesucht bevor es an diesem Tag auch in Mitteleuropa ernst wurde!

BERICHT:

Schon einige Tage zuvor war klar, dass es schwere Unwetter geben kann, wobei weder Zeit und Ort unklar waren. Somit wagte ich zwei Tage vorher schon eine kurze Vorschau, die im Endeffekt bis auf die verkehrt eingezeichnete Zugrichtung der Unwetter halbwegs ok war. Die Unwetter zogen nicht nach SO, sondern nach NO, weil es sich um die Kaltfront des Tiefs und nicht um die des Hochs handelte.

Am 29. Juni selbst war es endlich so weit und es begann heiß zu werden und die Temperaturen stiegen wieder verbreitet auf rund 30°C und mehr. Der Forecast den ESTOFEX am Vortag rausgegeben hatte, musste sogar upgedatet werden und wurde verschärft auf die höchste Warnstufe!

 

 

A level 3 was issued for Northern Austria towards the Czech Republic and Southwestern Poland mainly for severe to extremely severe wind gusts, large to very large hail and excessive precipitation.


Somit war am Nachmittag der Zeitpunkt gekommen die Unwetterjagd zu beginnen. Mein Kollege Ziegelwanger holte mich von Wieselburg ab und die ersten eindrucksvollen Quellungen ließen nicht lange auf sich warten und nach einer kurzen Lagebesprechung fuhren wir um 15h10 UTC Richtung Osten. An dieser Stelle ein großes

An einem schönen Aussichtspunkt gegen 15h50 UTC in Loosdorf angekommen, gab es wunderschöne Lichtspiele zu sehen, da nur noch einzelne Sonnenstrahlen in der schwülen Luft zu sehen waren.

Der Himmel verdunkelte sich immer mehr, die Sonne verschwand und bald nach diesem Foto mussten wir aufbrechen.

Nur wenige Minuten später konnte man den Aufwindteller einer Mesozyklone erkennen, dieses Foto entstand in der Nähe der Autobahnabfahrt Loosdorf um 16h10 UTC

Die Gewitter zogen extrem schnell und wir fuhren weiter zur Raststation St. Pölten, wo wir diese schön ausgeprägte Funnelcloud sehen konnten. Diese konnten wir ca 1 bis 2 Minuten beobachten, bevor sie sich wieder auflöste um 16h20UTC

Danach setzte Starkregen mit vereinzelten Hagelkörnern ein und wir fuhren wieder zurück nach Loosdorf. Da die Unwetter so schnell zogen, dachten wir, es wäre vorbei und das zu diesem Zeitpunkt erfolgreiche Chasing sei nun zu Ende. Aber die Unwetter formierten sich weiter und vor unseren Augen formierte sich plötzlich eine weitere Unwetterzelle, die sich mit den anderen nun zu einer gewaltigen Linie ausprägte und wir gegen 16h45 UTC wieder Richtung Osten fuhren.

Schnell machten wir uns wieder auf den Weg Richtung Nordosten um vor die Linie zu gelangen und konnten dabei kurz darauf eine weitere imposante Mesozyklone sehen.

Die Wolken färbten sich immer mehr in blauen und grünen Tönen, da diese sehr hochreichend waren und die großen Wassermassen in den Wolken diese Färbung verursachen. Als wir vor die Gewitterlinie kamen nach einigen Kilometern von Starkregen begleitet, konnten wir diesen furchteinflößenden Aufwindbereich mit Wallcloud sehen gegen 17h05 UTC.

 

Jedoch mussten wir nach paar Minuten schon wieder weiter fahren, da diese Gewitter extrem schnell zogen!
Auf der Weiterfahrt konnten wir vor uns gegen 17h13 UTC diese Stratocumulus undulatus sehen, die die Heftigkeit und Turbolenzen dieser Wettererscheinungen verdeutlichen.

Mei Kollege butu konnte diese Walzenförmigen Wolken über Krems ebenfalls sehr eindrucksvoll ablichten.
LINK

In der Nähe von Krems suchten wir uns einen geeigneten Aussichtspunkt um die tiefhängende Wallcloud dieser Unwetterzelle dokumentieren zu können. Grünlich leuchtende Wolken, bedrohlich wirkender Niederschlagsvorhang und Sturmböen bis rund 80km/h ließen unsere Herzen höher schlagen.
Das erste Bild entstand um 17h20UTC

Das zweite um 17h25UTC

Dann wurden wir von der schnell ziehenden Linie aus Südwesten überrollt, ehe sie starben und noch ein wenig Regen brachten.

Insgesamt sind wir an diesem Tag über 330km gefahren und haben über 3h lang die Naturgewalten jagen dürfen, ein ständiger Wechsel zwischen jagen und gejagd werden! An dieser Stelle ein herzlichen Dank an meinen Kollegen ziegelwanger, der mir diesen Bericht ermöglicht hat und mich zum Chasen mitgenommen hat!

Hier das Video zum Chasing:

ANALYSE:

Hier anhand der Äquivalent Potentielle Temperatur, kann man schön erkennen wie sich die Osthälfte Österreichs langsam im Laufe des Tages aufheizt und vorallem über dem Waldviertel enorm hohe Werte erreicht werden (hellblaue Bereiche) Man erkennt schön die Gewitterfront, die den ersten Teil der Energie aufbraucht und die nachfolgende Kaltfront   die zwar nur mehr Schauer brachte, aber die restliche Energie aufbrauchte.

Am Blitzradar kann man schön die gewaltige Gewitterlinie sehen, die sich über Nordösterreich und Tschechien formiert hatte.

Ebenso interessant das Niederschlagsradar, was ab 17h30 UTC die Auflösung des Südendes der Linie zeigt und auch unser Chasingende.

Besonders interessant sind die Wolkenobergrenzen, da ich noch nie auf so einer großen Fläche Tops unter 210K (ca -63°C) gesehen habe. Das bedeutet, dass die Wolken über weite Strecken deutlich über 15km hoch waren, was für die Heftigkeit dieser Unwetter spricht!

Alles in allem wurden an diesem Tag in Italien über 11 Tornados gesichtet und in Tschechien weiträumige Verwüstungen gemeldet. Auch im nördlichen Waldviertel gab es über weite Strecken schwere Verwüstungen durch Orkanböen.

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